Glühendes Engagement

Haus am Quall in Haan-Gruiten

Foto: Förderverein St. Nikolaus

Foto: Förderverein St. Nikolaus

Mit köstlichem Backwerk schmeckt das Leben besser. Vor allem wenn Brot und Kuchen nicht aus dem Supermarkt kommen, sondern frisch aus einem gemeinschaftlich errichteten Backhaus. Wie das klappt? Hier das Rezept aus Haan im Bergischen Land, Ortsteil Gruiten-Dorf: Man nehme einen tatkräftigen Verein, zahlreiche Spenden, einen findigen Archivar, je einen aktiv engagierten Architekten, Bezirksschornsteinfeger und Bäcker, gebe ein ehrenamtliches Bau-Team hinzu, verständige sich mit dem Denkmalschutz und schmecke mit viel Begeisterung ab.


Seit 1996 ist der Förderverein „Haus Am Quall“ Partner der NRW-Stiftung. Das namengebende Baudenkmal wäre wegen seines ruinösen Zustands fast einmal abgerissen worden. Heute präsentiert es sich als architektonisches Schmuckstück, zusammengesetzt aus einem älteren „Steingaden“ und jüngerem Fachwerk. Der gemauerte Teil gilt als Beispiel für einen typischen Wehrspeicher. In solchen „Bauernburgen“ konnten die Menschen Vorräte sicher lagern und zur Not selbst Zuflucht finden. Leider erfolgte die erste Sanierung des Hauses Ende der 1970er Jahre nicht völlig fachgerecht, was zwanzig Jahre später eine gründlichere Restaurierung erforderte. Der Verein übernahm das Haus 1999 und eröffnete es 2002 als Treffpunkt, Veranstaltungs- und Ausstellungsort. Im „Quall“ finden Konzerte, Basare, Lesungen und Versammlungen statt, zudem gibt es von hier aus Führungen ins nahe Neandertal.

 

Gottesdienst im Backhaus

Intensive Spurensuchen rund um das Haus führten jüngst zur Freilegung eines alten Brunnens. Der ehrenamtliche Ortsarchivar Lothar Weller lokalisierte außerdem ein früheres, nicht mehr vorhandenes Backhaus, von dem sich sogar belegen ließ, dass es der reformierten Gemeinde in Gruiten, die lange kein eigenes Gotteshaus besaß, im späteren 17. Jahrhundert als Kirchenersatz gedient hatte. Man müsse sich damit „elendig behelffen“, hieß es damals. So erhielt das neue Backhaus einen geschichtlich gesicherten Platz. Ausgeführt in Fachwerk unter Verwendung einer historischen Tür soll es traditionelles Handwerk erlebbar machen, vor allem aber die dörfliche Gemeinschaft aus Alteingesessenen und Zugezogenen stärken. Gruppen und Private können Back­termine buchen. Die Eröffnung im April 2025 hatte riesige Resonanz, wobei duftendes Steinofenbrot bewies: Engagement kann ein Genuss sein.

Text: Ralf J. Günther