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Ausgezeichnete Dörfer
Bei der Preisverleihung des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ in Bad Sassendorf vergab die NRW-Stiftung zwölf Sonderpreise. Damit würdigt sie engagierte Menschen für ihren Einsatz für den ländlichen Raum.
Ein Heimatmuseum am Niederrhein, ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in der Eifel und ein integrativ geführter Dorfladen im Sauerland – drei Beispiele dafür, wie ehrenamtliches Engagement das Leben in den ländlichen Regionen in Nordrhein-Westfalen lebenswerter macht. Die NRW-Stiftung ist seit 40 Jahren Partnerin des Ehrenamtes und fast genauso lange schon beim landesweiten Dorfwettbewerb mit im Boot. Die aktuelle Runde von „Unser Dorf hat Zukunft“ fand im Spätherbst mit der Preisverleihung einen würdigen Abschluss.
Die Stimmung in Bad Sassendorf in der voll besetzten Halle im Versuchs- und Bildungszentrum Haus Düsse der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen war feierlich und ausgelassen: Starke Dorfgemeinschaften hatten sich eingefunden, oft als Zeichen der Zusammengehörigkeit in einheitliche T-Shirts gekleidet, mit Schildern und Fahnen ausgestattet. Die gelöste Atmosphäre war wenig verwunderlich – denn die 33 auszuzeichnenden Gold-, Silber- und Bronzedörfer waren vorab bekanntgegeben worden. Trotzdem kannte der Jubel keine Grenzen, als Silke Gorißen, NRW-Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Trophäen auf der Bühne übergab.
Als jedoch beim zweiten geehrten Dorf direkt im Anschluss an die Ehrung durch die Ministerin Eckhard Uhlenberg, der Präsident der NRW-Stiftung, die Bühne betrat, tauschte die dort versammelte Gruppe überraschte Blicke aus. Was würde nun folgen? Uhlenberg spannte die Menschen aus Rees-Haffen im Kreis Kleve nicht allzu lange auf die Folter – und überreichte ihnen gleich zwei Sonderpreise der NRW-Stiftung. Insgesamt gingen an dem Tag zwölf solcher Preise in den Kategorien Heimat- und Kulturpflege, Naturschutz, Inklusion und Integration an ausgewählte Gold-, Silber- und Bronzedörfer.
„In unserem oft sehr städtischen Nordrhein-Westfalen brauchen sich die Dörfer nicht zu verstecken“, hatte Eckhard Uhlenberg in seinem Grußwort zu Beginn der Preisverleihung gesagt. „Das wissen wir als NRW-Stiftung seit bald 40 Jahren, denn es sind auch und gerade die kleineren Projekte in den kleineren Orten, die wir mit unserer Förderung voranbringen und die uns am Herzen liegen.“ Alle Sonderpreisträger der Stiftung erhalten 1.500 Euro. Geld, das an der einen oder anderen Stelle nach dem Empfang der Auszeichnungen bereits eifrig verplant wurde – für neue Projekte in den Dörfern oder auch für Dankeschönabende für Ehrenamtliche, denen, wie auch Eckhard Uhlenberg sagte, „man gar nicht genug danken kann. Denn ohne Ehrenamt wäre unsere Gesellschaft so viel ärmer.“
Waldlabor für alle

Einer der beliebtesten Orte der Umweltbildung im Kreis Soest ist jetzt barrierefrei: Das Waldlabor Werl hat sein Gebäude umgebaut und dafür eine Förderung der NRW-Stiftung erhalten.
Hunderte Schülerinnen und Schüler lernen in einer einzigartigen Bildungseinrichtung in Werl jedes Jahr den Lebensraum Wald kennen. Und seit Kurzem ist der Kreis derjenigen, die das Waldlabor Werl als außerschulischen Lernort nutzen können, noch größer. Der Zugang zum Gebäude ist nun barrierefrei möglich. So gehören neben Kitas, Grund- und weiterführenden Schulen künftig auch Förderschulen zum großen Nutzerkreis.
Angeregt wurde die Maßnahme von einer Förderschullehrerin. Sie hatte bei einer Tagung darauf hingewiesen, dass das eingeschossige Gebäude bereits weitgehend ohne Barrieren sei – von der fehlenden Behindertentoilette einmal abgesehen. Von dieser Aussage fühlte sich das Waldlabor-Team angespornt. Alles kam auf den Prüfstand.
Gemeinsam mit einem Architekten wurde die barrierefreie Toilette geplant und eingebaut. Eine flache Rampe an der Eingangstür macht den Zugang für Menschen im Rollstuhl noch einfacher – und auch bei der Zufahrt aufs Gelände besserten die „Waldlaboranten“ nach. Weil die Förderschülerinnen und -schüler per Kleinbus anreisen, besitzt das große Tor an der Straße nun einen elektrischen Antrieb. So können die Fahrerinnen und Fahrer es bequem per Fernbedienung öffnen, statt es mühsam aufschieben zu müssen. Die NRW-Stiftung, laut Waldlabor die „treueste und stärkste Verbündete unserer ehrenamtlichen Arbeit“, förderte die Maßnahmen.
Eine Idee wächst und gedeiht
Der Verein AckerBildung e. V. aus Blomberg hat beim Engagementpreis NRW den Sonderpreis der NRW-Stiftung bekommen.



Die kleinen Salatpflänzchen stehen schon bereit. Ganz behutsam setzen die Kinder sie in eine Furche, die sie eben in den Acker gezogen haben. Ihre Augen strahlen – draußen mit Gleichaltrigen zu arbeiten und dabei zu lernen, wie Lebensmittel angebaut werden, macht ihnen jede Menge Spaß. Auf dem Gelände der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) in Blomberg-Dalborn nehmen die Grundschülerinnen und -schüler gerade an einem Angebot des Vereins AckerBildung e. V. teil. Ein Verein, der immer mehr Zulauf erhält. Seine wertvolle Arbeit hat sich herumgesprochen. Erst recht, seitdem er Ende 2025 den Sonderpreis der NRW-Stiftung im Rahmen des Engagementpreises NRW bekommen hat. Was die Stiftung an dem Konzept überzeugt hat, brachte Präsident Eckhard Uhlenberg in seiner Laudatio bei der Preisverleihung in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf auf den Punkt: „Bei Ihnen kommen Generationen zusammen und setzen sich gemeinsam für ein Anliegen ein: Menschen wieder in Verbindung mit Natur und Ernährung zu bringen. Gemeinsam im Team schaffen Sie vielfältige Bildungsangebote – und das für alle Altersgruppen.“
Gemeinsam Nisthilfen für Wildbienen bauen, mit dem selbst angebauten Gemüse schmackhafte Rezepte zubereiten oder ganze Tage im Gemüsebeet verbringen um zu säen, zu gießen und zu ernten – durch Workshops und Projekttage werden Informationen zu nachhaltigem Gemüseanbau, Biodiversität, Kompost und Boden, Klimaschutz und weiteren gesellschaftlichen Aspekten von Solidarischer Landwirtschaft nach dem Prinzip „Learning bei Doing“ vermittelt.
Ein lobenswertes Konzept, wie nicht nur die NRW-Stiftung findet. Der große Zulauf von Menschen aus der Region zeigt, dass der Verein mit seinem Angebot einen Nerv trifft – zurück in die Natur hin zu mehr Nachhaltigkeit. Wenn in Dalborn schon die Kleinsten mit anpacken, ist das eine Idee, die im wahrsten Sinne des Wortes auch in künftigen Generationen Wurzeln schlägt.
Mit der Brille unters Dach
Der historische Dachboden von Haus Wenge im Dortmunder Nordosten ist jetzt erstmals für Besucherinnen und Besucher erlebbar. Er lässt sich als 3D-Modell per VR-Brille erkunden.
Haus Wenge ist eine kleine, aber äußerst schmucke Wasserburg im Dortmunder Stadtteil Lanstrop. Wer von Norden anreist, würde den Bau aus dem 13. Jahrhundert eher nicht erwarten: Hier erstreckt sich eine am Reißbrett entstandene Siedlung mit großen Wohnblöcken aus den 1960er-Jahren. Ganz anders, dörflich und kleinteiliger, präsentiert sich dann der südliche Teil Lanstrops um Haus Wenge, das von einem großen Park umgeben ist.
Mit seinen Treppengiebeln und den rot gestrichenen Klinkern trägt es eindeutig gotische Züge – eine Rarität in Dortmund. Auch die Dachkonstruktion ist eine Seltenheit – seine architektonische Besonderheit erschließt sich jedoch nur von innen. Das freitragende Sparrendach wurde ohne Stützen und Pfetten konstruiert. Das Gebälk wird ausschließlich durch Holznägel zusammengehalten. Damit ist der Dachstuhl in dieser Form und Größe einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Für die NRW-Stiftung Grund genug, ein besonderes Projekt des Vereins Haus Wenge Lanstrop e. V. zu fördern. Er betreut das Haus, das seit 1952 der Stadt Dortmund gehört, und führt regelmäßig Besucherinnen und Besucher durch die Räumlichkeiten.
Der Dachboden darf jedoch aus statischen Gründen nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dass er jetzt dennoch erlebbar ist, ist moderner Technik zu verdanken: Eine Digitalfirma erstellte eine Anwendung, mit der sich der Dachboden mittels einer VR-Brille erkunden lässt. So lässt er sich aus allen Perspektiven in Ruhe anschauen. Je nach Neigung des Kopfes ändern sich die Blickwinkel. Und wer mit der Brille ein paar Schritte geht, bewegt sich auch auf dem Dachboden in der entsprechenden Richtung. So schafft modernste Technik ganz neue Einblicke in einem der ältesten Gebäude Dortmunds.
Ein Museum unter Strom

Das Neanderthal Museum hat für seine neue Fassade mit integrierten Photovoltaik-Modulen den Deutschen Solarpreis gewonnen. Mit der Anlage erzeugt das Haus einen großen Teil seiner Energie nun selbst.
Es gehört zu den ungewöhnlichsten Bauten in Mettmann – das Neanderthal Museum. Der ovale Baukörper ist ringsum mit grünen Glaselementen verkleidet und seit seiner Eröffnung vor nun 30 Jahren ein Hingucker. 2024 wurde die Fassade saniert. Dank integrierter Solarmodule erzeugt sie nun Strom. Für dieses innovative Konzept erhielt das Museum den Deutschen Solarpreis 2025 des Branchenverbands Eurosolar, der dazu mitteilte: „Es zeigt, dass Denkmalschutz, Baukultur und Energiewende Hand in Hand gehen können – und dass selbst kulturelle Wahrzeichen eine klimaneutrale Zukunft aktiv mitgestalten.“
Während der von der NRW-Stiftung geförderten Sanierung hatte das Museum die alte Fassade vollständig abgenommen und die darunterliegende Dämmung instandgesetzt. Die Stahl-Unterkonstruktion blieb größtenteils erhalten. Hieran hängen nun 735 neue Glaselemente. 248 davon enthalten Photovoltaik-Module. Rund 30.000 Kilowattstunden Strom im Jahr – rund ein Drittel des gesamten Strombedarfs – kann das Neanderthal Museum nun selbst erzeugen.
Tor in die Geschichte
Eines der größten römischen Militärlager Europas stand im heutigen NRW – künftig wird man im Römerpark Bergkamen die Rekonstruktion seines Nordtors sehen können. Die NRW-Stiftung unterstützt das Projekt des Stadtmuseums.



In Bergkamen fühlt man sich künftig noch stärker in die Zeit der Römer zurückversetzt: Wo bereits seit mehr als zehn Jahren ein Teilstück einer Holz-Erde-Mauer Geschichte lebendig macht, soll bald auch das rekonstruierte Nordtor des Militärlagers stehen, das sich vor rund 2.000 Jahren auf dem Gelände im Stadtteil Oberaden erstreckte. Im Februar stellte das Stadtmuseum die Pläne vor, für die der Förderverein des Museums Fördergeld von der NRW-Stiftung erhält.
An die Römerzeit wird in der Stadt an vielen Orten erinnert. Das Stadtmuseum zeigt archäologische Fundstücke sowie Nachbildungen von Ausrüstungsgegenständen wie Zelte oder Rüstungen. Aufmerksame Fußgänger können an zwei Römerampeln die Straße queren. Vor allem aber ist der Römerpark, also jener Ort, an dem die Römer damals lebten, ein wichtiger Anlaufpunkt unter freiem Himmel. Hier beherbergte das Römerlager Oberaden 30.000 Menschen – Soldaten, Hilfstruppen, die Elitetruppe der Prätorianer, Beamte und Senatoren. Das Lager wurde unter dem römischen Heerführer Drusus ab dem Jahr 11 vor Christus errichtet, als dieser vom Rhein aus entlang der Lippe nach Osten gezogen war, um mit seinen Truppen kriegerische germanische Stämme zu bekämpfen. Rund 1.900 Jahre später hatte Heimatpfleger und Pfarrer Otto Prein Anfang des 20. Jahrhunderts als Hobby-Archäologe die Spuren des Uferkastells an der Lippe und des Lagers zu Tage gefördert. Die Begeisterung für das Thema Römer riss in der Stadt danach nie ab – und gipfelte 2012 im Nachbau einer Holz-Erde-Mauer in der Bauart der Befestigungsanlagen, die tatsächlich einst hier standen. Bereits 2006 eröffnete im Römerpark der von der NRW-Stiftung geförderte Archäologische Lehrpfad. 20 Jahre später wird das Projekt nun mit dem Nordtor abgeschlossen.
Konkret ist geplant, das Tor an seiner ursprünglichen Stelle zu rekonstruieren. Es entsteht eine Holzkonstruktion, die zum Teil mit Lehm ausgefacht wird. Besucherinnen und Besucher werden die Toranlage künftig auf einem Wehrgang begehen können. Darunter entstehen Lagerräume, während die oberste Ebene im Bereich der Wachtürme dem Naturschutz vorbehalten ist: Hier sollen Fledermäuse und Vögel Unterschlupf finden.
Das Ehrenamt spielt bei dem Projekt eine wichtige Rolle: Die zahlreichen Engagierten des Museums wollen sich im Rahmen von Mitmach-Aktionen am Bau beteiligen. Sie bringen sich schon seit vielen Jahren auch beim Betrieb des Römerparks umfassend mit ein: Sie führen die Aufsicht, betreuen die Gäste und halten die Bauten instand.
Ein wichtiges Prinzip der Römer wird so auch im heutigen Bergkamen hochgehalten: In Gemeinschaft kann man einiges erreichen!























