Für 2026 wurde der in NRW stark gefährdete Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschlands (BUND e. V.) zum „Schmetterling des Jahres“ gekürt. Das in der Öffentlichkeit wenig bekannte Insekt hat einen faszinierenden Lebenszyklus. Dank intensiver Schutzbemühungen, an denen auch die NRW-Stiftung beteiligt ist, zeichnet sich in jüngster Zeit eine leichte Erholung der Bestände ab.
Der Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea nausithous, auch Phengaris nausithous) beginnt wie bei vielen Tagfaltern: Das Bläulingsweibchen legt seine Eier auf den Pflanzenteilen ab, die den Räupchen nach dem Schlüpfen als erste Nahrung dienen werden. Bei dieser Art sind es ausschließlich die Blütenstände des Großen Wiesenknopfs, einer Staude, die nur in wechselfeuchten Wiesen wächst. Von außen unsichtbar beginnen die Larven nach wenigen Tagen in den unreifen Früchten der Pflanze zu fressen. Etwa drei Wochen später verlassen sie ihr Versteck Richtung Erdboden und werden mit etwas Glück von Ameisen der Art Myrmica rubra gefunden. Die betrachten sie überraschenderweise nicht als Beute, sondern tragen sie in ihren Bau und adoptieren sie wie hilflose Findelkinder. Die Täuschung beruht auf chemischer Tarnung. Die Raupen verfügen nämlich über den Geruch der Ameisenbrut. Obendrein produzieren sie ein Sekret, das die Adoptiveltern attraktiv finden.
Im Ameisenbau stellt der süße Wurm seine Ernährung allerdings schlagartig um: Die Raupe beginnt, sich über den Nachwuchs der Wirtsameise herzumachen und lebt bis zum nächsten Frühjahr wie die Made im Speck. Mehrere hundert Ameisenlarven kann sie in dieser Zeit buchstäblich vernaschen. Da die Ameisen laufend neue Brut produzieren, fällt ihnen dieser Aderlass vermutlich gar nicht auf. Im Frühsommer verpuppt sich die Raupe schließlich dicht unter einem der Nest-Ausgänge. Etwa einen Monat später sprengt dann ein frischer Falter seine Puppenhülle und strebt eilig an die Luft. Zum einen verliert er mit dem Schlupf den schützenden Nestgeruch, zum anderen kann er seine Flügel erst draußen vollständig entfalten.

Allianz aus Falter, Wiesenknopf und Ameise
Nur wenige Juli-Wochen hat der fertige Ameisenbläuling jetzt, um sich zu paaren und eine neue Generation zu gründen. Die Blüten des Großen Wiesenknopfs bieten dafür nicht nur Eiablageplatz und erste Larvennahrung, sie sind auch eine wichtige Nektarquelle und Rendezvous-Ort der paarungsbereiten Falter. Die Pflanze muss also genau in der Falter-Flugzeit blühen und stehen bleiben, bis die Larven die Blütenköpfe verlassen haben. Das setzt voraus, dass die Wiesen zwischen Ende Mai und Anfang September nicht gemäht werden. Auch starke Düngung oder Drainage der Flächen sollten tabu sein, da der Wiesenknopf sonst von konkurrenzstarken Gräsern verdrängt wird. Zur Schicksalsgemeinschaft gehören aber im gleichen Lebensraum auch die Erdnester der „richtigen“ Ameisenart in ausreichender Zahl. Und gerade ihnen setzt der Klimawandel mit seinen zunehmend trockenen Sommern besonders zu.

Vielfältige Hilfen zeigen Wirkung
In NRW kommt der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling fast nur noch im Rhein-Sieg-Kreis und im Siegerland sowie an wenigen Stellen im niederrheinischen Tiefland vor. Wegen seiner Rückgänge im gesamten Verbreitungsgebiet und vielerlei Gefährdungen gehört er zu den Arten, die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtline streng geschützt und Ziel besonderer Naturschutzmaßnahmen sind. Die NRW-Stiftung unterstützt diese Bemühungen seit vielen Jahren. Im Rhein-Sieg-Kreis verbessert ein von der Stiftung gefördertes Projekt des BUND die Lebensbedingungen auf eigenen und auf Pachtflächen und unter dem Dach der NRW-Stiftung gründete das Eitorfer Ehepaar Heidrun und Egbert Brieskorn 2008 die unselbständige „Maculinea-Stiftung NRW“, die sich vor allem um Biotope der Ameisenbläulinge im Siegtal kümmert.
Text: Günter Matzke-Hajek

Blickpunkt

Seit 2020 unterstützt die NRW-Stiftung die Biologischen Stationen des Rhein-Sieg-Kreises und des Kreises Euskirchen bei ihren Artenschutzprojekten. Im Zuständigkeitsbereich der beiden Stationen gibt es noch bedeutende Populationen von Ameisenbläulingen, die nur bei schonender Wiesenbewirtschaftung überleben können. Geeignete Flächen werden durch Ankauf oder Vertragsnaturschutz gesichert und durch „Trittsteinbiotope“ miteinander vernetzt. Details erfahren Sie im Podcast




















