Im August 1946 wurde NRW gegründet, komplettiert im darauffolgenden Januar durch den lippischen Landesteil. Seit 1986 gibt es die NRW-Stiftung. Grund genug also für eine dreifache Bilanz: Achtzig Jahre NRW, vierzig Jahre NRW-Stiftung – plus das Fazit zum Jubiläumsjahr selbst. Wie sieht das Resümee aus?
Hendrik Wüst: Nordrhein-Westfalen zeichnet sich seit seiner Gründung vor allem durch Zusammenhalt aus. Was 1946 mit dem Zusammenschluss unterschiedlicher Landesteile begonnen hat, ist in 80 Jahren zu einer gemeinsamen Erfolgsgeschichte geworden. Aus dem Bindestrich-Land ist ein echtes Bindeglied-Land geworden: zwischen Stadt und Land, Industrie und Natur, Tradition und Fortschritt und vor allem zwischen Menschen. Dazu leistet auch die NRW-Stiftung seit nun 40 Jahren einen wichtigen Beitrag. Sie bewahrt, was unser Land ausmacht, und stärkt mit ihren Projekten Heimat, Natur, Kultur und ehrenamtliches Engagement.
Eckhard Uhlenberg: Das Jubiläumsjahr war für die Stiftung eine großartige Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen, beim NRW-Tag und an konkreten Projektschauplätzen wie etwa der Wuppertaler Utopiastadt. Gefeiert haben wir aber eigentlich nicht die Institution, sondern das Engagement der Menschen.
Sie meinen, weil es sonst ja wenig zu bilanzieren gäbe?
Eckhard Uhlenberg: Richtig – schon gar keine viertausend Förderprojekte, die alle dem Einsatz, der Tatkraft, der Spendenbereitschaft von Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen zu verdanken sind. Längst findet man Partnerprojekte überall im Land, manchmal schweben geflügelte Projektboten sogar ganz von selbst herbei. Ich meine Meister Adebar, für dessen Rettung und Vermehrung in NRW die Stiftung von Beginn an eingetreten ist.
Johannes Rau sagte vor vierzig Jahren, man wolle die Eigeninitiative der Menschen für Natur, Kultur und Heimat herausfordern. Wie sehen Sie seine Feststellung: „Denn nicht alles kann, nicht alles soll der Staat alleine machen“?
Hendrik Wüst: Ein starkes Land braucht einen handlungsfähigen Staat, der seine Aufgaben erfüllt und verlässliche Rahmenbedingungen schafft. Politik kann und muss einen Unterschied machen, den die Menschen vor Ort in den Städten, Gemeinden und Dörfern spüren. Aber Johannes Rau hatte recht: Nicht alles kann und nicht alles soll der Staat alleine machen. Denn Zusammenhalt kann man nicht beschließen oder verordnen. Er lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich für andere einsetzen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Genau dieses Engagement wird von der NRW-Stiftung unterstützt. Dank ihrer Hilfe werden aus guten Ideen für Natur, Kultur und Heimat konkrete Projekte und aus persönlichem Engagement wird ein Gewinn für die Gemeinschaft. Eine lebendige und wehrhafte Demokratie braucht beides: einen starken, handlungsfähigen Staat und Menschen, die bereit sind mit anzupacken.
Eckhard Uhlenberg: Genau deshalb stellt die NRW-Stiftung nicht nur Gelder bereit – sie ist auch Ansprechpartnerin des Ehrenamtes, berät und vermittelt. Dabei sind im Laufe der Zeit viele Wege gegangen worden, etwa bei der Unterstützung für Menschen, die unselbstständige Stiftungen gründen wollen. Nicht wenige Partnerprojekte rund um das Thema „Dritte Orte“, also gesellschaftliche Treffpunkte, dienen unmittelbar der Demokratieförderung. Ohne Miteinander, Kompromiss und Kooperation wäre im Übrigen kein einziges lohnendes Vorhaben zu verwirklichen.