Von der Blockhütte zum Lernort mit Zukunft

Eva-Lorenz-Umweltstation in Willich

Foto: NABU Willich/Anke Klusen

Die Eva-Lorenz-Umweltstation/NABU-Station in Willich-Neersen hat nach umfassender Erweiterung und Umzug im Mai 2025 ihre Wiedereröffnung gefeiert. Gut zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung stehen nun moderne und größere Räumlichkeiten für die Umweltbildung zur Verfügung.

Was vor gut zwei Jahrzehnten mit dem Bau einer kleinen Blockhütte in idyllischer Lage des Willicher Schlossparks begann, hat sich heute zu einem modernen Lern- und Erlebnisort für Umweltbildung gemausert: Die Eva-Lorenz-Umweltstation hat nach umfangreicher Erweiterung und Umzug im Mai 2025 offiziell ihre Türen wieder geöffnet. Auf dem Gelände der an den Park angrenzenden Vinhoven-Schule ist in enger Zusammenarbeit von Stadt und Naturschützerinnen und Naturschützern des NABU eine neue Station entstanden, die Kindern, Jugendlichen und inzwischen auch Erwachsenen ganzjährig Naturerlebnisse, Workshops und Kurse ermöglicht. 

Die Geschichte der Umweltstation begann im Jahr 2002, als aus Anlass der Landesgartenschau im Schlosspark Neersen ein kleines Blockhaus als Anlaufstelle für Umweltbildungsangebote errichtet wurde. Schon ein Jahr später wurde die Einrichtung als Zeichen ihrer wachsenden Bedeutung in der lokalen Bildungslandschaft nach der verstorbenen Kommunalpolitikerin Eva Lorenz benannt, die sich zeitlebens für Natur- und Umweltschutz in der Region engagiert hatte.

Aus den bescheidenen Anfängen entwickelte sich die Station dank eines überzeugenden Konzepts rasch zu einer festen Größe in der Umweltarbeit. Die idyllische und naturnahe direkte Umgebung des Schlossparks Neersen ist darin in der Philosophie der NABU-Aktiven mehr als nur Kulisse. Sie übernehmen auch Teile der ökologisch gerechten Pflege des Parks, und die vielgestaltigen Lebensräume des Schlossparks bieten genügend Möglichkeiten, die Natur für Kinder getreu dem Motto der Station „mit Kopf, Herz, Hand und Fuß“ erlebbar zu machen. Generationen von Kindern und Jugendlichen haben hier seither Natur hautnah erlebt und dadurch ein Grundwissen vermittelt bekommen, das ökologische Zusammenhänge erklärt und Fähigkeiten fördert, sich selbst aktiv für eine intakte Umwelt einzusetzen.
 

 

Die Umweltstation geht in die Schule

Die Nachfrage nach Angeboten der Umweltstation ist seit Jahren konstant hoch: Rund 1.800 Kinder aus Schulen und Kindertagesstätten nutzen das Programmangebot derzeit in jedem Jahr. Mit der wachsenden Beliebtheit stieß die Station trotz mehrfacher Erweiterung immer wieder an ihre Grenzen. Die Räume umfassten zuletzt lediglich rund 60 Quadratmeter. Die Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen waren entsprechend limitiert und Aktivitäten konnten nur in der Zeit zwischen Mitte März und Ende Oktober stattfinden. Spätestens Anfang November war Schluss – eine ganzjährige Nutzung scheiterte an fehlender Heizung und Dämmung.

Angesichts der beengten Räumlichkeiten und der saisonalen Beschränkungen wuchs der Wunsch bei den Aktiven der lokalen Ortsgruppe des Naturschutzbundes NABU nach einer Erweiterung. Als die Stadt Willich für die benachbarte Vinhoven-Schule einen Neubau plante, wurde die Idee bei der Stadt geboren, die Räume für die Umweltstation dort zu integrieren. Die Chance wurde genutzt und im Januar 2023 fand der offizielle Spatenstich für das Projekt statt. Es folgten umfangreiche Bau- und Sanierungsarbeiten, die unter anderem den Abriss alter Gebäudeteile der Schule erforderten. Nach gut zweieinhalb Jahren Bauzeit konnte die Station dann am 23. Mai 2025 feierlich eröffnet werden.
 

Ein Lernort mit neuen Möglichkeiten

Die neu eröffnete Eva-Lorenz-Umweltstation präsentiert sich großzügig und zeitgemäß: Das Herz der Station ist der mehr als 60 Quadratmeter große Veranstaltungsraum. Hinzu kommen Büros, Lagerräume und ein einladend gestaltetes Foyer. Insgesamt stehen nun rund 200 Quadratmeter für die Umweltbildung zur Verfügung. Ein besonderes Highlight ist die moderne Ausstattung: Es gibt eine eigene Küche für Wildkräuter- und Naturküchen-Kurse und zur Unterstützung von Workshops, Vorträgen und Seminaren steht fortan eine zeitgemäße technische Ausstattung bereit. Ein „Grünes Klassenzimmer“ ergänzt die zahlreichen Angebote auf dem rund 1.000 Quadratmeter großen Außengelände. Dort finden sich auch nach verschiedenen Themen gestaltete Gärten mit mehr als 1.200 Pflanzen als Beispiele und Ideengeber dafür, wie Natur- und Artenschutz praktisch umgesetzt werden können.

Eine der wichtigsten Neuerungen ist die ganzjährige Nutzbarkeit durch den Umzug in das Schulgebäude. Damit erweitert sich nicht nur das Programm für Kinder und Jugendliche. Fortan soll es auch spezielle Angebote für die Erwachsenenbildung geben. Geplant sind Seminare und Workshops zu Themen wie naturnahe Gartengestaltung, Biodiversität und Klimaschutz im Alltag. „Natur entdecken, schützen und schätzen lernen – im Herzen des Schlossparkes Neersen und seiner naturnahen Umgebung“. Diesem programmatischen Motto der ersten Stunde kann die Umweltstation übrigens auch nach dem Umzug in die Schule gerecht werden. Denn auch die alte Holzhütte, mit deren Errichtung die Erfolgsgeschichte der Umweltbildung im Schlosspark 2002 als „Schulbiologische Station“ begann, bleibt in Betrieb: Sie soll künftig als Werkraum genutzt werden.

Text: Thomas Krumenacker

Blickpunkt

Die Finanzierung des Projekts war eine Gemeinschaftsleistung. Die Stadt Willich übernahm die bauliche Umsetzung. Für die Einrichtung und die Gestaltung der Außenanlagen stellte die NRW-Stiftung 89.000 Euro bereit. Bereits 2016 hatte die Stiftung den Einbau einer barrierefreien Toilette in der alten Station gefördert. 
www.eva-lorenz-umweltstation.de