Der Haselmaus auf der Spur

Monitoring Haselmaus

Foto: mauritius images/Gerard Lacz

Die Haselmaus ist eine der heimlichsten Waldbewohnerinnen Nordrhein-Westfalens. Entsprechend wenig ist darüber bekannt, wie es um die Bestände der gefährdeten Art steht. Ein Monitoring im Historischen Hauberg Fellinghausen im Siegerland soll zeigen, wo sich die kleinen Bilche wohlfühlen und welche Maßnahmen helfen, sie zu schützen.

Sie ist das perfekte Vorbild für ein innig geliebtes Stofftier: große, dunkle Knopfaugen, glänzendes Fell und ein buschiger Schwanz, der noch einmal so lang ist wie der restliche Körper. Die Haselmaus könnte der Star eines jeden Kinderausflugs in den Wald sein. Doch zu sehen bekommen sie nur die Wenigsten. Denn Haselmäuse sind nachts aktiv und lieben es, gut versteckt im Geäst oder hoch oben in Baumkronen nach Nahrung zu suchen.

Auch wegen dieser Lebensweise blieb lange unbemerkt, dass Haselmäuse seltener werden. Das liegt vor allem daran, dass ihr Lebensraum sich verändert hat: Abwechslungsreiche Mischwälder mit angrenzenden Hecken und lichten Waldrändern sind vielerorts weniger geworden oder durch Straßen voneinander getrennt. Für eine Art, die sich nur über vergleichsweise kurze Strecken bewegt, ist das ein Problem. In Nordrhein-Westfalen liegen die Verbreitungsschwerpunkte im Weserbergland, im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland sowie in Teilen der Eifel. Wie viele Haselmäuse bei uns leben, lässt sich nicht zuverlässig sagen. Bis zu 50 Vorkommen waren 2015 bekannt, daneben gibt es viele historische Nachweise. Wie wichtig mehr Wissen über die Situation der kleinen Nager ist, zeigt auch deren Einstufung in der Roten Liste der Säugetiere in NRW. Dort werden sie unter der Kategorie „Gefährdung unbekannten Ausmaßes“ geführt.

 

Kleine Lebensraumspezialistin

Die Haselmaus ist anspruchsvoll, was ihren Lebensraum angeht – dabei aber nicht auf reine Wildnis angewiesen. Sie kommt mit unterschiedlichen Formen der Bewirtschaftung zurecht – voraus­gesetzt, es bleibt eine abwechslungsreiche Vegetation. Lichte Waldpartien, Waldränder, Gebüsche und Lichtungen gehören zu ihren Lebensräumen. Auch Hecken und Feldgehölze mag sie. Interessant ist alles, was im Jahreslauf Nahrung verspricht: Insekten, Knospen, Blüten, Beeren, Samen und natürlich die namensgebenden Nüsse.

Ein solcher Lebensraum findet sich im Siegerland. Der Historische Hauberg Fellinghausen ist ein Wald, in dem die traditionelle Form der Hauberg-Bewirtschaftung bis heute betrieben wird: Bäume werden früh mit der Axt abgeschlagen und treiben anschließend aus dem Wurzelstock neu aus. So entstanden über die Zeit Flächen unterschiedlichen Alters und mit wechselnder Dichte – ein Mosaik, das für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten gute Bedingungen schafft. Für die Haselmaus sind das die lichten und zugleich gebüschreichen Bereiche.
 

Auf einen Blick

Keine echte Maus: 
Die Haselmaus gehört biologisch zur Familie der Bilche oder Schlafmäuse – genau wie der bekanntere Siebenschläfer.

Winzige Statur: 
Mit einer Körperlänge von sechs bis neun Zentimetern und buschigem Schwanz ist sie der kleinste heimische Vertreter dieser Gruppe.

Perfekte Kletterin: 
Ihr Körper ist optimal an ein Leben in Sträuchern und Bäumen angepasst. Sie verlässt die schützende Höhe nur sehr selten.

Nachtaktive Nestbauerin: 
Sie ist nachtaktiv und schläft tagsüber in kunstvoll geflochtenen, kugel­förmigen Nestern aus Gräsern und Blättern.

Langer Winterschlaf: 
Von Ende Oktober bis April hält sie Winterschlaf und zehrt von Fettreserven. Haselnüsse sind beliebt, aber nicht unverzichtbar.

 

Wie die Tiere den Hauberg nutzen, wird jetzt genauer untersucht. Der NABU-Kreisverband Siegen-Wittgenstein hat dazu mit Unterstützung der NRW-Stiftung ein Monitoring gestartet, das der Lehramtsstudent Felix Oderbein im Rahmen seiner Bachelorarbeit durchführt. Auf Flächen verschiedener Entwicklungsstadien wurden Niströhren und Nistkästen verteilt, die regelmäßig kontrolliert werden. Die Daten sollen zeigen, was den Tieren besonders wichtig ist und wo sie sich erfolgreich fortpflanzen.

Von den Ergebnissen erhoffen sich die Naturschützerinnen und Naturschützer Hinweise darauf, welche Waldbewirtschaftung der Haselmaus zugutekommt. Diese Erkenntnisse sollen auch andernorts helfen, die kleinen Nager zu schützen – auf dass sie nicht nur als Stofftiere eine Zukunft haben.

Text: Thomas Krumenacker
 

Blickpunkt

Wie lebt die Haselmaus im Historischen Hauberg Fellinghausen? Ein Monitoring des NABU-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein soll zeigen, welche Bereiche des traditionell bewirtschafteten Waldes die seltenen Bilche nutzen und wo sie sich fortpflanzen. Die Erkenntnisse sollen Hinweise geben, wie Haselmäuse auch in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens geschützt werden können. Die NRW-Stiftung unterstützt das Projekt mit 1.600 Euro.