Der Zaun, die Hirsche und die Drohnen

Neues aus dem Brachter Wald

Foto: Martin Wingertszahn

Vor mehr als 25 Jahren übernahm die NRW-Stiftung das Gelände des ehemaligen Munitionslagers Brüggen-Bracht. Das weitläufige Areal aus Wald und Heide am Niederrhein ist heute wieder ein wichtiges Refugium für die Natur. Um den Überblick zu behalten, setzen Naturschützende jetzt auf Hightech.

 

Vom größten Lager für Kriegsmunition in Europa zum Refugium für bedrohte Tier- und Pflanzenarten: Der Brachter Wald im Kreis Viersen hat eine wechselvolle Geschichte. Hinter einem fast 20 Kilometer langen Zaun hat sich auf dem über 1.200 Hektar großen Areal eines der artenreichsten Naturgebiete Nordrhein-Westfalens entwickelt. Doch die Geschichte als militärisches Sperrgebiet bringt manche Besonderheit mit sich. Der Zaun ist eine davon. Er sorgt dafür, dass die Damhirsche, die im Wald für eine natürliche Beweidung sorgen, nicht davonlaufen – und macht es zugleichnötig, ihre Zahl gezielt zu steuern. Denn gibt es zu viele von ihnen, leidet der Wald und hungern die Hirsche.

 


Wie viele Damhirsche in dem dichter werdenden Wald leben, ­lässt sich nicht mehr so einfach feststellen. Bislang wurden die Tiere von Autos aus gezählt. In diesem Jahr wurde erstmals eine weitere Methode erprobt: die Zählung per Drohne mit Wärme­bildkamera. „Der Test war ein Erfolg“, sagt Bundesförster Martin Wingertszahn. Die Zahl der erfassten Tiere deckte sich weitgehend mit den Ergebnissen der traditionellen Auto-Zählungen. Für Wingertszahn ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Technik künftig eine größere Rolle spielen könnte. „Die Zählungen per Sichtbeobachtung werden wohl nicht mehr lange funktionieren“, sagt er. Im dichter werdenden Wald werde es zunehmend schwieriger, einen verlässlichen Überblick zu bekommen.
 


Das ist aber mehr als eine Frage der Statistik. Um sowohl den Naturschutzzielen als auch dem Tierwohl gerecht zu werden, gilt ein Bestand von 400 bis 450 Hirschen als optimal. Wie gut die Tiere mit dem vorhandenen Nahrungsangebot auskommen, wird über die Fettdepots an den Nieren geschossener Tiere ermittelt. Während die Hirsche im Wald aktiv sind, sind im Offenland Konik-Pferde als Landschaftspfleger aktiv. Nun bekommen sie Verstärkung: Ein Hengst und zwei Stuten sollen hinzukommen. So wird der Genpool der Gruppe erweitert und das Risiko von Inzucht verringert. Und auch beim Wacholder tut sich etwas. In den vergangenen Jahren wurden Ableger der regional vorkommenden Pflanzen gezogen; 300 Jungpflanzen wurden inzwischen am linken Niederrhein ausgebracht, 170 davon im Depot Brüggen-Bracht.

Text: Thomas Krumenacker