Wie Perlen an einer Kette reihten sich früher entlang der Hellwegbörde natürliche, salzhaltige Quellen. Zwischen Unna und Salzkotten drückte vielerorts versickertes Niederschlagswasser an die Oberfläche, nachdem es sich mit dem Grundwasser aus kreidezeitlichen Salzschichten vermischt hatte. Heute ist vom Reichtum der westfälischen Salzquellen und ihrer charakteristischen Vegetation nur noch ein kleiner Rest vorhanden. Dazu gehört auch der Salzbrink westlich von Soest. Dank langjähriger Bemühungen der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (ABU) wachsen dort wieder der Wilde Sellerie und die Gewöhnliche Strandsimse.

Botaniker und Lehrer wie Ludwig Volrath Jüngst und Karl Koppe rühmten schon Mitte des 19. Jahrhunderts in ihren Pflanzenverzeichnissen die artenreiche Flora der Soleaustritte. Für den „Salzspring“ und die Quellen bei Paradiese, einem alten Klosterstandort, führten sie unter vielen weiteren typischen Arten auch Erdbeerklee, Sellerie, Salzaster und Salz-Binse auf. Doch im 20. Jahrhundert wurden die meisten Quellen gefasst, zugeschüttet oder überbaut. Auch der Salzbrink galt zwischenzeitlich schon als verloren. Zuerst wurde die Bahntrasse Werl – Soest mitten durch das Gebiet geführt, dann begrub man die Sickerquellen unter einer mächtigen Schicht aus Bauschutt und Erde.

Die Mitglieder der ABU hegten allerdings die Hoffnung, dass vielleicht etwas zu retten sei, wenn man eines Tages das meterdicke Fremdmaterial beseitigen und die alte Oberfläche freilegen würde. Das kaum Vorstellbare gelang im Jahr 2014: Am Salzbrink erwachten die Totgesagten, nachdem mehr als 4.200 Tonnen gebietsfremder Boden und Schutt abgebaggert und aus dem Gebiet abgefahren worden waren. Durch den Kontakt mit Luft und Licht erwachten Samen von Salzpflanzen aus ihrem Tiefschlaf, keimten und wuchsen wieder zu vitalen Pflanzen heran. Damit waren aber nur die „lebensrettenden Sofortmaßnahmen“ geschafft. Es folgte eine geduldige Therapie: Trittempfindliche Quellaustritte mussten eingezäunt werden, um sie vor dem Weidevieh zu schützen. Drainagen waren zu verschließen oder zu verlegen, und es galt einen Plan für die Regeneration der übrigen Teilflächen abzustimmen. Die bescheidenen Erfolge waren nämlich vorerst nur nördlich der Bahntrasse sichtbar.

Auf Wiederbelebung folgt Therapie
Mit dem Ankauf weiterer Grundstücke durch die NRW-Stiftung, durch das Schaffen eines Zuweges und mit an den Naturschutzzielen ausgerichteten wasserbaulichen Maßnahmen waren vor einigen Jahren die Voraussetzungen dafür gegeben, auch die Teilfläche südlich der Bahn zu renaturieren. Im Jahr 2022 wurde dort der Salzbach, der das Oberflächenwasser in den vergangenen Jahrzehnten zu schnell abgeführt hatte, durch das Höherlegen der Bachsohle „entschleunigt“. Wie im Norden des Gebiets wurde auch hier Fremdmaterial mitsamt dem Bewuchs aus gebietsfremden Pflanzen abgetragen.
Sobald sich die ersten Salzpflanzen auf dem wiederhergestellten Bodenrelief etabliert haben und die Fläche wieder Feuchtwiesencharakter annimmt, soll auch dieser Bereich extensiv beweidet werden. Die Fachleute der ABU und der beteiligten Soester Ämter sind gemeinsam mit der NRW-Stiftung zuversichtlich, dass der Salzbrink in nicht zu ferner Zeit aus der „Reha“ entlassen werden kann.
Text: Günter Matzke-Hajek
Blickpunkt

6,7 Hektar Land des 12 Hektar großen NSG „Salzbrink“ konnte die NRW-Stiftung im Lauf der letzten Jahre erwerben. Dazu gehören die von Solequellen beeinflussten Feuchtwiesenreste mit einer in NRW extrem selten gewordenen spezifischen Salzflora. Die Anträge dazu kamen von der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest e. V. (ABU), die das Gebiet seither betreut und für Zwecke des Naturschutzes entwickelt.
























