Comeback für ein Hochmoor

 

Renaturierung in Warstein

Foto: Bürgerstiftung Warstein

Engagierte Bürgerinnen und Bürger und die Forstverwaltung wollen im Sauerland einem artenreichen Hochmoor zu einem Comeback verhelfen. Dazu müssen fast zwei Kilometer Drainage verschlossen werden. 


Wie in vielen anderen Mittelgebirgen hat sich auch im Sauerland das Landschaftsbild in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Statt dunkler Fichtenforste bestimmen auf immer größerer Fläche abgestorbene Baumgerippe die Szenerie. Stürme, Borkenkäfer und anhaltende Dürre haben den Fichtenforsten sichtbar zugesetzt. Was für Waldbesitzende ein herber Verlust ist, bietet für den Natur- und Klimaschutz eine historische Chance: die Rückverwandlung der freigewordenen Flächen hin zu vielfältigen, stabilen Ökosystemen, in denen natürliches Leben gedeiht und schädliche Treibhausgase gespeichert werden.

Auch die gemeinnützige Bürgerstiftung Warstein und die Forstverwaltung der Stadt wollen diese Gelegenheit nutzen und ein künstlich trockengelegtes Moor zum Wohle des Natur- und Klimaschutzes wiederbeleben. Das Projektgebiet im südlich der Stadt gelegenen Naturschutzgebiet „Hamorsbruch und Quellbäche“ bietet dazu beste Voraussetzungen. Denn dort finden sich bis heute naturnahe Birken-Moorwälder, Erlenbrüche voller Torfmoose und Auwälder entlang frei fließender Bäche. Das Gebiet ist Heimat für Grauspecht und Schwarzstorch und gehört zu den ökologisch wertvollsten Landschaften Nordrhein-Westfalens.

Doch auch in Teilen des heute insgesamt mehr als 300 Hektar großen Naturschutzgebietes griff der Mensch tief in die Natur ein. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Hamorsbruch entwässert, um Platz für wirtschaftlich nutzbare Fichtenforste zu schaffen. Entwässerungsgräben und Aufforstungen mit Nadelholz zerstörten nach und nach den ursprünglichen Hochmoorcharakter. Diesen nach dem weitgehenden Absterben der Fichten wiederherzustellen, ist das Ziel des Warsteiner Projekts. Doch bevor in den beiden zur Renaturierung ausgewählten Teilflächen „Im Hamor“ und „Leierspring“ wieder Frösche quaken, Libellen schwirren und Wollgräser blühen, steht den Fachleuten des Stadtforstes Warstein viel Arbeit ins Haus. 
 

Die größte Herausforderung liegt darin, den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen. Denn die einst zur Entwässerung angelegten Drainagegräben sorgen bis heute für einen raschen Wasserabfluss – fatal für alles, was im Moor lebt und gedeiht. Nicht weniger als 1.760 Meter Gräben müssen verschlossen werden. Geplant sind dazu drei Varianten: Auf 1.260 Meter Länge sollen die Gräben mit Hilfe von Baggern verfüllt werden, 500 Meter Entwässerungsgräben sollen mit Holzbohlen oder Erdplomben blockiert werden und an drei Stellen werden Holzbauwerke errichtet, um das Wasser in der Landschaft zu halten. 

Baumsamen per „Luftbrücke“

Parallel zu diesen Arbeiten soll die Natur selbst ins Geschehen eingreifen. Denn Bürgerverein und Stadtforst setzen auf Natur­verjüngung der Vegetation. Die ökologischen Startbedingungen sind dafür günstig: In der Umgebung haben sich gute Bestände heimischer Moor- und Karpatenbirken sowie Erlen erhalten. Damit ist die wichtigste Voraussetzung für eine natürliche Wiederbesiedlung über Samenflug gegeben. Auch das für die Bildung eines Hochmoores unerlässliche Torfmoos existiert noch in einigen Nischen.

Um den Prozess der Renaturierung möglichst verträglich zu gestalten, soll das Vorhaben über zwei Jahre gestreckt werden. Bis zum Sommer 2027 sollen dann insgesamt 22 Hektar Hochmoor auf den beiden ausgewählten Projektflächen (wieder)entstehen. Damit auch Menschen die Rückkehr des Hochmoores erleben können, ist ein 600 Meter langer Steg durchs Moor geplant. 

Auch für die NRW-Stiftung ist das Engagement für den Moorschutz seit vielen Jahren ein wichtiger Förderbereich. Denn Moore verbinden Natur- und Klimaschutz auf ideale Weise. Sie bieten vielen bedrohten Arten einen Lebensraum und speichern zugleich große Mengen Kohlenstoff. Die Arbeiten zur Renaturierung in Warstein fördert die NRW-Stiftung mit 175.000 Euro. 

Text: Thomas Krumenacker

Blickpunkt

Die NRW-Stiftung fördert das Renaturierungsprojekt im Warsteiner Hamorsbruch mit 175.000 Euro. Um auf 22 Hektar trockengelegter Moorfläche wieder ein lebendiges Hochmoor entstehen zu lassen, verschließen Bürgerstiftung und Stadtforst auf mehr als 1.700 Metern Drainagen und bauen Sperren in Gräben ein. So bleibt das Wasser im Gebiet und das Moor kehrt zurück.